Bernstein_Abenteuer

Bernstein

Lenny stand alleine am Strand und sah ihr nach.

Die Eisverkäuferin hatte offenbar gedacht, der Mann wäre Lennys Vater. Die fremde Familie war inzwischen über einen Dünenaufgang verschwunden. Weit und breit war niemand mehr zu sehen, der Strand lag menschenleer vor ihm. Die Sonne schickte gerade einen letzten Strahl über den Sand.

Da sah er es blitzen!

Nur Armeslänge entfernt strahlte ein gelber Kristall in einem Häufchen aus Seegras hervor. Es war ein großes Stück, größer als alles, was Sven gehabt hatte. Warm und weich lag es in seiner Hand. Obgleich er sich sicher war, klopfte Lenny damit an einen seiner Zähne. Kein Zweifel. Bernstein! Lenny atmete tief durch.

Der spitze Schrei einer Möwe ließ ihn zusammenzucken. Er schaute hinauf und erkannte die Vögel nur noch schemenhaft. Die Sonne war verschwunden, und es wurde mit jeder Sekunde dunkler. Der Wind war viel stärker geworden und jagte Sand vor sich her. Die Wellen klatschen wütend an den Strand.

Lenny hatte keine Ahnung, wo er war. Er holte sein Handy aus der Hosentasche. Sollte er Herrn Simmons anrufen? Oder seine Mutter? Das Handy blieb dunkel und stumm, egal wie er darauf herumdrückte. Nicht aufgeladen! Sein Herz pochte deutlich. Er begann, zurückzugehen. Der Strand war unbeleuchtet. Auch in der Ferne konnte er keine Lichter erkennen. Nur Schwärze vor ihm und hinter ihm. Er sah kaum noch, wo er seine Füße hinsetzte. Die Wellen schnappten nach ihm. Der Wind heulte auf und trieb ihm feuchte Spritzer ins Gesicht.

Lenny renntEr ging schneller. Trabte. Lief. Der Strand zog sich endlos. Er begann zu rennen. Beim Laufen dreht er den Kopf hin und her, damit er überhaupt etwas hören konnte, außer dem Brausen von Wind und Wellen. War da ein lang gezogener, trauriger Ton? Ein fernes Jammern? Hörte er das Weinen der Jurate?