Die Nase

Die Nase

Lenny versuchte, sich an das Referat von Manuel und Nesrin zu erinnern. Manuel hatte vom ‘Nasenbein’ gesprochen, auf dem der ‘Nasenrücken’ saß und die weiche ‘Nasenspitze’ und hatte andere Teile erwähnt wie die ‘Nasenflügel’.

Im gleichen Moment war viel Grün in Lenny aufgetaucht und hatte ihn abgelenkt. Immer, wenn er sich auf ein Wort konzentrierte, war eine Farbe in ihm. Er sah dabei nicht etwas Bestimmtes, sondern die Farbe war einfach da. Wie ein Geräusch. ‘Nase’ war grün. Jedes Wort hatte seine Farbe. Er konnte die Farbe weder bestimmen noch konnte er sie ändern. Die zusammengesetzten Worte Nasen-Bein, Nasen-Rücken und Nasen-Flügel tanzten dunkelgrün, lindgrün und hellgrün durch seinen Kopf und machten sein Hirn zu einer Sommerwiese.

Und wir haben im Kunstunterricht die Form des Gesichts geübt”, redete die Lehrerin weiter und unterbrach Lennys Gedanken. “Heute nehmen wir uns vor, die Nase zu malen. Nur die Nase!”

Cara rutschte unruhig auf dem Stuhl hin und her. “Komm, wir malen Augen”, flüsterte sie Lenny zu. “Willst du auch lieber Augen malen?”

“Sucht euch einen Partner”, sagte Frau Muggenbauer, “und malt gegenseitig eure Nasen. Von vorne ist es am schwierigsten. Besser ihr malt von der Seite, also im Profil. Bitte wechselt euch ab mit Modellsitzen. Macht euch zunächst Hilfslinien, wie wir das geübt haben.”

Überall raschelte und kicherte es. Hey, du hast da einen Popel… RUMMS. Ein Stuhl fiel um. Nesrin heißt jetzt Naaasrin … Nesrin lachte wie aufgezogen.

“Weniger laut, bitte!” Frau Muggenbauer ging von einem zur anderen. Amelia Muggenbauer war erst vor wenigen Wochen an ihre Schule gekommen und gleich ihre neue Klassenlehrerin geworden. Lenny und Cara hatten noch nicht endgültig entschieden, ob sie die Lehrerin mochten.