Die Nase

Die Nase

Nach und nach wurde es still, und alle widmeten sich der Aufgabe. Alle, außer Cara! Statt für Lenny Porträt zu sitzen, schüttelte sie die Haare vors Gesicht und beugte den Kopf tief nach unten. Ihre Nase war nicht zu sehen. Frau Muggenbauer kam zu ihnen, lehnte sich zu Cara und wisperte etwas.

Lenny kritzelte auf seinem Blatt herum. Er musste an die schwarze, feuchte Schnauze von Titan denken, dem Nachbars-Schäferhund. Als nächstes fiel ihm ein Elefantenrüssel ein. Elefanten kamen gleich nach Hunden auf seiner Liste der Lieblingstiere. Aber eigentlich waren alle Tiere Lieblingstiere! Gerade wollte er sich Spatzen-, Regenwurm- und Fischnasen vorstellen, da setzte sich Cara auf.

Er schaute zu ihr. Cara sah ihn nicht an, und sie sprach kein einziges Wort mit ihm. Aber sie strich sich die Haare aus dem Gesicht und klappte ihren Block auf. Die Lehrerin nickte und ging weiter.

LennyLenny betrachtete Caras Nase ausführlich. Ihre Nase war größer als seine. Er lehnte sich über den Tisch und versuchte, ihre Nase auch von vorne zu sehen.

Cara beachtete ihn nicht.

Vielleicht war ihre Nase sogar größer als die der meisten Kinder in ihrer Klasse – sie ragte ziemlich hervor. Lenny schob die Zungenspitze zwischen die Lippen. Dann setzte er den Stift aufs Papier. Er schaute auf die Nase und zurück zu seinem Blatt und machte den ersten Strich. Er gab sich richtig viel Mühe, zeichnete, kontrollierte, radierte, korrigierte.

Jetzt war Cara dran. Sie malte zwar, aber sie beachtete seine Nase überhaupt nicht dabei. Eigentlich malte sie auch nicht. Sie stocherte bloß mit einem gelben Buntstift auf dem Papier herum, als wolle sie es durchlöchern.