Die Nase

Die Nase

Lenny bog humpelnd in den Nelkenweg ein. Caras Vater sagte, Lenny wohne auf der anderen Seite der Straße. Cara hatte ihm erklärt, dass auf “ihrer Seite” der Straße nur einzelne Häuser standen, und jedes passte genau für eine Familie und hatte einen Garten, während auf “seiner Seite” die Häuser 4 Stockwerke mit Wohnungen hatten, die man mieten konnte. Viele Familien wohnten in so einem Mietshaus.

Lenny klingelte bei Simmons am Tor und ging durch den Vorgarten aufs Haus zu. Der Geruch, der plötzlich in seine Nase wehte, war wie süße Kekse. Ach, das waren die lila Blumen! Sie hießen Vanilleblumen, weil sie nach Vanille rochen. Seine Mutter hatte die auch im Balkonkasten.

Caras Vater öffnete die Eingangstür. “Cara Luisa hat Geigenunterricht.”

Geige? Das war doch gestern. Lenny sah ihn fragend an.

“Eine ausgefallene Stunde nachholen.”

Oh, oh, das verhieß nichts Gutes. Der Geigenunterricht würde Caras Laune auf keinen Fall verbessern. Sie hasste ihren Geigen­unterricht. Es war eines der wenigen Dinge, gegen die sie sich nicht wehren konnte. Vielleicht war es auch das, was sie ärgerte. Sonst konnte sie sich nämlich recht gut durchsetzen. Bei ihrem zweiten Vornamen ‘Luisa’ hörte sie einfach nicht hin, wenn ihre Eltern sie so riefen.

“Hast du was mitgebracht?” Caras Vater deutete auf die Plastiktüte, die Lenny mit seiner Hand umklammerte.

Lenny nickte und humpelte in den engen Flur. Bei Simmons musste man dort die Schuhe ausziehen. Deine Schuhe müffeln, hatte seine Mutter vorhin bemerkt und die Nase gerümpft. Na ja, es war halt heiß, und mit dem Gehverband konnte er nur die Turnschuhe anziehen. Als er die Schnürsenkel der Turnschuhe aufband, stellte Lenny sich vor, wie seine Müffel-Stoffe aus den Schuhen krochen, durch die Luft nach oben schwebten und in die Nase von Herrn Simmons krabbelten. Er schob seine Turnschuhe möglichst weit in die Ecke.