Fliegen

Fliegen

“Wie siehst du denn aus?” Seine Mutter legte ihm die Hand auf die Stirn. “Du hast ja Fieber! Am besten wir packen dich gleich ins Bett!”

Er war froh, dass er sich hinlegen konnte. Als er die Augen wieder öffnete, war es schon spät. Er bekam Wasser, einen Brei aus Haferflocken und eine Tablette, dann schlief er wieder ein. Am nächsten Morgen war das Fieber sogar noch gestiegen.

“Fußball”, murmelte er, weil heute sein Training wieder begann.

“Arzt”, entgegnete seine Mutter. “Wir gehen sofort zum Arzt!”

In der Arztpraxis mussten sie lange warten. Ihm war übel. Als sie endlich dran waren, schaute der Arzt sich seine Zunge an und klopfte ihm die Brust ab. Wahrscheinlich-nicht-bedenklich-aber-beobachten, lautete das Urteil. Anna war beruhigt. Lenny ging es kein bisschen besser als vorher.

Lenny ist krankZu Hause kroch er sofort wieder ins Bett, bekam ein Zäpfchen und seine Mutter machte ihm kalte Wadenwickel. Ihm war glühend heiß und gleichzeitig schlotterte er vor Kälte. Alles war wie weit weg. Die Stimme seiner Mutter klang dumpf wie durch Watte. Ihm wurde schwindelig.

Er fiel. Alles in ihm krampfte sich zusammen, sein Herz raste, er keuchte laut, seine Finger spreizten sich. Kein Halt. Unter ihm nur Luft. Er wollte schreien. Sein Mund war offen, in den Ohren war ein Brausen.

Dann hatte er plötzlich das Gefühl, im Wind zu schweben.

Zuversichtlich breitete er die Arme aus, weit und weiter. Seine Knochen waren jetzt anders, dünner, leichter, spitzer. Und er hatte Federn. Hände brauchte er nicht mehr. Er war ein Albatros!