Fliegen

Fliegen

Anna stöhnte, reckte sich. “Na, Schatz, wie geht’s dir?” Sie legte ihm prüfend die Hand auf die Stirn. “Oh, das Fieber ist runter, wir haben’s geschafft, was?”

Er zwickte sich in den Arm. Es fühlte sich ganz normal an.

“Was für eine Nacht.” Seine Mutter gähnte. “Du hattest hohes Fieber und hast im Traum vom Fliegen gefaselt. Ich hab dir Sachen über Flugrekorde von Vögeln aus dem Internet vorgelesen, aber ich kann mich an nichts davon erinnern.”

Lenny grinste. Auch wenn es nur ein Fiebertraum gewesen war, er wusste noch ganz genau, wie toll sich das Fliegen angefühlt hatte. Als Albatros hatte er die größte Flügelspannweite gehabt und konnte wunderbar im Wind übers Meer dahingleiten, aber um an Land zu kommen, brauchte er etwas wie eine Landebahn. Als Gans war er soweit in die Höhe gestiegen wie kein anderer und konnte sogar in der dünnen Luft über den höchsten Bergen noch atmen und war von Daunenfedern gewärmt. Doch dann war er lieber schnell geworden, rasend schnell, war als Mauersegler mit 200 Stundenkilometern wie ein Rennwagen geflitzt. Und hatte sich schließlich als Spatz getarnt, um im Stadion nicht aufzufallen.

“Ich habe eine Entdeckung gemacht”, sagte Anna. Sie aktivierte den Laptop, der auch eingeschlafen war, und drehte den Bildschirm zu ihm.

Er fuhr hoch.

“Ein Taubenschwänzchen”, las seine Mutter vor. “Es ist ein Schmetterling! Aber ein ungewöhnlicher und wirklich sehr groß. Es kann in der Luft stehen bleiben. Das können nicht viele fliegende Tiere. Man nennt es Schwirrflug.”

Ja, das war das fliegende Etwas, das sie auf dem Balkon gesehen hatten!