x-ray

X-Ray

Lenny zog seinen geschwollenen, blau verfärbten Fuß zu sich.

“Nein, du darfst den Fuß nicht bewegen! Wir machen jetzt Röntgenaufnahmen. Du willst doch sicher auch wissen, wie es innen im Gelenk bei dir aussieht …”

Er schüttelte den Kopf.

“Wir müssen nachsehen, ob deine Knochen noch heil sind.”

Seine Knochen waren ihm egal, er wollte seine Ruhe haben.

Mit einem Seufzen ging Katrin nach hinten. Sie kam zurück und ratterte etwas mit lang gestrecktem Arm hinter sich her wie einen Rollkoffer. Bloß, dass es kein Rollkoffer war, sondern – ein Skelett! Das Skelett hing an einer aufrechten Stange wie an einer Garderobe und klapperte leise bei der Bewegung. Die Stange hatte unten Rollen. Als Katrin neben Lenny stand, nahm sie dem Skelett das rechte Bein ab. Das Skelett war viel größer als Katrin und glotzte Lenny von oben herab aus riesigen, dunklen Augenhöhlen an.

Lenny schluckte.

STAGE“Kannst du bitte mal hierhin schauen!” Katrin hatte das Skelettbein neben ihm abgelegt und hielt ihm den Knochenfuß entgegen. “So sieht es innen im Fuß aus! Ein Mensch hat 200 Knochen, ein Viertel davon für die Füße. Das macht 50 für beide Füße, also 25 für einen. Das sind sehr viele Möglichkeiten, dass du dir etwas gebrochen hast.”

Warum hing hier ein Toter an der Garderobe? Hatte er auch etwas gebrochen? Lenny starrte das Ein-Bein-Skelett an.

“Der ist aus Kunststoff! Schaust du jetzt mal bitte hierher!” Katrin klang ein bisschen gereizt. Vielleicht machte das Skelett sie doch nervös, auch wenn es nicht ganz echt war. “Bei dir hat es so gemacht …” Sie klappte den Skelettfuß nach innen. “Da haben die Bänder, die das Fußgelenk festhalten, Stress gekriegt.”

Lenny stellte sich rote und blaue Seidenbänder vor wie beim Geschenkeinpacken.

“Wir müssen wissen, ob die Bänder gerissen sind oder vielleicht sogar von einem Knochen ein Splitter abgegangen ist.” Katrin sah ihn ernst an. “Wir möchten doch, dass du wieder gesund wirst!”

Er hielt schützend die Hände über seinen Fuß. Da war genug rumgedrückt worden!