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X-Ray

In dem Augenblick entdeckte er Trainer Vlado und Blutgrätsche durch den Gang auf sie zukommen. Der Trainer hatte eine Hand auf die Schulter von Blutgrätsche gelegt und schob den Jungen vor sich her.

Lenny stellte sich vor, Röntgenaugen zu haben. Er sah durch Blutgrätsche hindurch. Da waren nur weiße Knochen. Die klapperten.

“Na”, sagte Trainer Vlado betont fröhlich. “Geht’s wieder?”

Lenny schaute nur so vor sich hin. Gehen ging gar nicht, das konnte doch wohl jeder sehen!

Vlado gab Blutgrätsche einen Schubs. Der streckte wie ein Automat die Hand aus. Sein Gesicht war starr und ausdruckslos, er schaute an Lennys linkem Ohr vorbei zur Tür vom Röntgenraum. “Entschuldigung”, sagte er zu der Tür.

Lenny wollte es eigentlich nicht, aber er drückte trotzdem kurz die Hand.

Trainer Vlado atmete hörbar auf. “Gut! Ihr vertragt euch wieder, Jungs! Wir setzen uns!” Er zog Blutgrätsche zu den Stühlen.

Cara schwang sich zu Lenny auf die Pritsche und setzte sich so hin, dass sie Rücken an Rücken lehnten. “Der Trainer hat mir vor dem Spiel gesagt, ich soll lieber in einer Mädchenmannschaft spielen …”, wisperte Cara. Sie zog scharf Luft ein. “Dabei gibt’s gar keine Mädchenmannschaft in unserer Altersklasse! Und dann hat er mich extra nach vorne gestellt, obwohl er weiß, dass ich nicht stürmen mag. Das ist voll gemein!”

Lenny nickte. Vlado wollte keine Mädchen und Blutgrätsche wollte ihn kein Tor schießen lassen. Und keiner von beiden hatte wirklich ein schlechtes Gewissen. Er und Cara würden den beiden beweisen, dass man so nicht mit ihnen umgehen konnte!

Katrin öffnete die Tür. “Alle Knochen heil bei dir, nur die Bänder überdehnt! Wir wollen dir einen Spezialverband anpassen, mit dem du gehen kannst. Wo ist denn deine Mutter? ”

“Hat unterwegs einen Pandabären getroffen”, raunte Cara.

Seiner Mutter passierten tatsächlich oft lustige Sachen. Er tippte Cara mit dem Ellenbogen an.

“Wann darf er wieder Fußball spielen”, übersetzte sie.

“Sprecht mit dem Arzt, wenn seine Mutter da ist. In circa fünf bis sechs Wochen denke ich”, antwortete Katrin.            Röntgen Fußknöchel

Ein Gehverband. Seine heilen Knochen in Weiß. Sie hatten Zeit, ihren Abwehrplan zu schmieden. Er drückte seinen Rücken fest gegen Caras Rücken. Sie hielt dagegen. Es fühlte sich warm an.

“Da seid ihr ja!” Seine Mutter war im Gang aufgetaucht und kam auf sie zugelaufen. Ihre FlipFlops klatschten bei jedem Schritt auf den Boden, ihr buntes Tuch war halb von der Schulter gerutscht und wehte hinter ihr her. “Ich hab euch überall gesucht!” Sie breitete die Arme weit aus. “Ich war erst im falschen Krankenhaus!”

“Und …?”, flüsterte Cara noch schnell in Lennys Ohr.

“Alles plan!”

Tor___

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